Vittorio De Sica

Als Regisseur ist er einer der Väter des Neorealismus und als gefragter Darsteller immer charmant in Rollen eleganter Hochstapler und Lebenskünstler. Vittorio De Sica (1902 - 1974) holte vier "Oscars" für jeweils den besten ausländischen Film nach Italien: für "Schuhputzer" (1946), der die Armut und den Hunger der als Schuhputzer arbeitenden Nachkriegskinder zeigt, und für den Welterfolg "Fahrraddiebe" (1948), der Inbegriff des Neoverismus, der am Beispiel einer zärtlichen Vater-Sohn-Geschichte und des titelgebenden Diebstahls, der zu einer Odyssee durch Rom führt, ein Gesellschaftspanorama jener Jahre entwirft. Die zwei weiteren Preisträger waren der Episodenfilm "Gestern, heute und morgen" (1963), in dem Sophia Loren in imposanter Körperlichkeit drei verschiedene Frauentypen spielte und ihren legendären Striptease vor Marcello Mastroianni absolviert; und "Der Garten der Finzi Contini" (1970), der die Judenverfolgung in Italien mit einer unglücklichen Liebesgeschichte verbindet. De Sica arbeitete in den ersten Jahren mit dem Drehbuchautor Cesare Zavattini (1902 - 1989) zusammen, dem er entscheidende Impulse verdankt, und der für ihn auch "Das Wunder von Mailand" (1950), ein Märchen aus den Elendsvierteln, das vor dem Mailänder Dom endet, und die bewegende Geschichte eines Rentners in "Umberto D." (1952) schrieb. In den 50er Jahren wurden De Sica und der Produzent Carlo Ponti Mentoren der Schauspielerin Sophia Loren, von deren starker Ausstrahlung De Sica fasziniert war, deren Karriere er entscheidend förderte und an deren Seite er u.a. in "Schade, dass du eine Kanaille bist" (1955) als ihr Vater und Tagedieb spielte. Er verhalf Loren mit "La Ciociara - Und dennoch leben sie", ein im Weltkrieg spielendes Melodram um die Wirren von Flüchtlingen und die Vergewaltigung von Loren und ihrer Filmtochter, 1961 zu ihrem "Oscar" als beste Hauptdarstellerin. Für den "Oscar" nominiert wurden beide mit der neapolitanischen Tragikomödie "Hochzeit auf italienisch", die nach einem populären Volksstück entstand. Als Darsteller glänzte De Sica u.a. an der Seite von Gina Lollobrigida als nonchalanter Maresciallo in einem Gebirgsdorf in zwei der drei "Liebe, Brot und..."-Filmen, an der Seite von Marlene Dietrich ("Die Monte Carlo Story") und in Roberto Rossellinis "Der falsche General", für den er 1960 in Venedig ausgezeichnet wurde. De Sicas letzte eigene Filme wurden "Ein kurzer Urlaub" (mit Florinda Bolkan als lungenkranker Arbeiterfrau im Kuraufenthalt) und der nostalgische Sizilien-Film "Die Reise nach Palermo" (mit Loren und Richard Burton), die als merkwürdige Mischungen aus Starkino und Reminiszenzen an den Neorealismus in Erinnerung bleiben.